Eine praktische Maßnahme für präzise Nesterbehandlung?
Am 15.01.2025 diskutierten Experten und Praktiker über die Potenziale und Herausforderungen des PatchSprayings als praktikable Methode zur Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes in Reihenkulturen. Gleichzeitig wurden typische Anwendungsfälle einer solchen Nesterbekämpfung sowie die technischen Anforderungen an die Pflanzenschutzspritze und die Kartierungsdaten aufgezeigt.
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Der Unterschied zwischen PatchSpraying und SpotSpraying liegt in der Größe der zu behandelnden Flächen.
Beim PatchSpraying sind die Flächen größer und im Meterbereich angesiedelt. Die Größe wird durch die automatische Teilbreitensschaltung (SectionControl) der Pflanzenschutzspritze bestimmt. Hat eine Spritze beispielsweise eine Teilbreitenaufteilung von 3 Metern, entstehen Patches von etwa 3 × 3 Metern.
Beim SpotSpraying hingegen sind die behandelten Flächen deutlich kleiner. Die Breite des Spots wird vom Düsenabstand bestimmt z.B. 25 cm bzw. 50 cm, die Länge von der Geschwindigkeit des Ventils. Insbesondere wenn die Maschine mit schnell schaltenden Ventilen (PWM*-Technologie) ausgestattet ist, kann der Spot in der Länge 75 cm und kleiner sein.
*Pulsweitenmodulation
Schonung der Kulturpflanzen: Durch den gezielten, teilflächenspezifischen Einsatz von Herbiziden werden nur betroffene Bereiche behandelt und Kulturpflanzen geschont.
Effiziente Nutzung vorhandener Technik: Die SectionControl -Funktion moderner Pflanzenschutzspritzen ermöglicht eine präzise Steuerung der Teilbreitenschaltung, Landwirte können somit bereits vorhandene Technik nutzen.
Die Nesterbehandlung, z. B. von Disteln oder Winden in Reihenkulturen, ist eine gute Einstiegsmöglichkeit in das PatchSpraying und SpotSpraying. Dieses Verfahren vereinfacht und erhöht die Zuverlässigkeit der nesterweisen Unkrautbekämpfung.
Durch den Einsatz von Applikationskarten mit RTK-GPS Genauigkeit* kann die Behandlung noch gezielter erfolgen. Zudem ermöglicht die Teilbreitenschaltung moderner Pflanzenschutzspritzen eine präzise Steuerung, um den Herbizideinsatz zu minimieren.
Die Integration dieser Methoden in die Präzisionslandwirtschaft ist ein wichtiger Schritt hin zu einer effizienteren und nachhaltigeren Digitalen Landwirtschaft.
*real time kinematic
Jede Pflanzenschutzspritze, die durch das Investitionsförderprogramm unterstützt wurde oder über eine automatische Teilbreitenschaltung verfügt, kann PatchSpraying basierend auf der Teilbreitenaufteilung umsetzen. Die Kombination aus SectionControl und RTK-GPS Genauigkeit verbessert die Effizienz und Präzision.
Die Leistungsfähigkeit des Terminals spielt eine entscheidende Rolle in der Digitalen Landwirtschaft. Die Verarbeitung von Applikationskarten kann je nach Terminal stark variieren. Während einige Geräte bereits bei 20.000 Polygonen an ihre Grenzen stoßen, können leistungsstarke Terminals mit spezieller Software bis zu 1 Million Spots problemlos verarbeiten.
In den letzten Jahren wurden viele Erfahrungen mit verschiedenen Terminals gesammelt. Einige Hersteller, wie HORSCH mit dem HORSCH eosT10, bieten spezielle Funktionen zur Verarbeitung von Applikationsdaten an. Dadurch können deutlich mehr Spots pro Karte geladen und verarbeitet werden, was die Effizienz in der Landwirtschaft 4.0 steigert.
Theoretisch reicht die EGNOS-Signalgenauigkeit für PatchSpraying aus – ähnlich wie bei der SectionControl-Funktion. Allerdings wird die Nutzung von RTK-GPS Genauigkeit empfohlen, um eine noch präzisere Anwendung sicherzustellen. Bei der Drohnenkartierung ist RTK unabdingbar, da eine exakte Georeferenzierung der Flächen entscheidend ist.
Besonders gute Erfahrungen mit PatchSpraying gibt es in Reihenkulturen wie Zuckerrüben und Mais. Für den Einstieg in diese Technik eignen sich Herbizidmaßnahmen, die gezielt gegen nesterweise auftretende Unkräuter wie Disteln oder Winden wirken.
Auch in anderen Bereichen wurde PatchSpraying in der Talkrunde thematisiert, etwa zur Unkrautbekämpfung von Ampfer im Grünland, Ausfallgetreide in Zwischenfrüchten oder für Anwendungen in Sonderkulturen.
Durch den Einsatz moderner Pflanzenschutzspritzen mit Teilbreitenschaltung wird die Effizienz weiter verbessert. Diese Methode ist ein wesentlicher Bestandteil der Präzisionslandwirtschaft und trägt zur nachhaltigen Digitalen Landwirtschaft bei.
Robin Kümmerer, Landwirt, berichtet in der Talkrunde, dass er bei der letzten Herbizidanwendung in Rüben eine Einsparung von mehr als 90 % des Herbizids erzielen konnte. Dies verdeutlicht das Potenzial von SpotSpraying in der modernen Landwirtschaft 4.0.
PatchSpraying trägt zur Reduzierung des Herbizideinsatzes bei. Langfristige Erfahrungen liegen bisher jedoch noch nicht vor.
Die Drohnenkartierung ist ein zentraler Bestandteil der Digitalen Landwirtschaft. Dabei überfliegt eine Drohne das Feld und erstellt georeferenzierte, hochauflösende Bilder. Eine spezielle Software analysiert die Bilder, erkennt Unkräuter und erstellt eine SpotSpray-Karte mit hoher RTK-GPS Genauigkeit. Anschließend wird die Karte an das Spritzenterminal übertragen.
Eine SpotSpray-Karte wird als Feldgrenzenkarte erstellt. Jedes Polygon, das ein Unkraut umschließt, wird als eigenes Feld definiert. Die Pflanzenschutzspritze mit Teilbreitenschaltung öffnet sich nur innerhalb dieser abgegrenzten Bereiche und appliziert das Herbizid gezielt an den betroffenen Stellen. Diese Methode sorgt für eine präzisere Unkrautbekämpfung und reduziert den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.
Ja, theoretisch ist es möglich, Unkrautnester mit einem RTK (Real Time Kinematic)-Stab einzumessen und anschließend eine Feldgrenzenkarte zu erstellen. Allerdings bietet die Drohnenkartierung den Vorteil, dass sie das Feld flächendeckend scannt und Unkräuter so mittels KI basierter Software erkannt und verortet werden.
Der Abstand zwischen der Drohnenkartierung und der Applikation sollte so kurz wie möglich sein, da Unkräuter bei wüchsigem Wetter schnell weiterwachsen und eventuell schwieriger zu erfassen sind.
Die Zukunft von PatchSpraying und SpotSpraying liegt in der Weiterentwicklung smarter Technologien. Wichtige Innovationen in der Digitalen Landwirtschaft sind:
Robin Mink, Geschäftsführer SAM-Dimension, stellt für das Frühjahr 2025 folgende neue Algorithmen in Aussicht:
Zukunftsausblick: Bis 2026 plant SAM-Dimension zudem eine Kartierung von Ungräsern im Getreide. Diese Entwicklung wird durch den Einsatz moderner Pflanzenschutzspritzen mit Teilbreitenschaltung, RTK (Real Time Kinematic) weiter optimiert.
Barbara ist Landwirtin aus Niederbayern und lässt Ihre Follower via Instagram an Ihrem Alltag teilhaben. 2020 schloss sie das Studium der Landwirtschaft an der FH Weihenstephan ab. Nach Ihrer Bachelorarbeit beschäftigte Sie sich bei HORSCH intensiv mit dem Thema SpotSpraying und konnte so vielfätlige Erfahrungen sammeln.
Dr. Robin Mink ist einer der beiden Köpfe hinter SAM-DIMENSION.
Er studierte an der Universität in Hohenheim und promovierte im Bereich Pflanzenschutz. SAM-DIMENSION bringt offline Spot-Spray-Lösungen auf den Acker, mit denen Landwirte den Herbizideinsatz reduzieren können. Zudem sind sie bekannt für die Kompatibilität ihrer Spot-Spray Maps mit allen gängigen Feldspritzen.
Robin Kümmerer hat Landwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und Agribusiness an der Universität Hohenheim studiert. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Pflanzenbauer in einer Betriebsgemeinschaft verfügt er über umfangreiche Praxiserfahrung, auch im Bereich Patch Spraying. Seit Juni ist der Agrarwissenschaftler als Indication Manager für Digitalisierung und Nachhaltigkeit in der Forschung und Entwicklung für die BASF im Agrarzentrum Limburgerhof tätig.
Andreas Bürle ist Produktmanager bei HORSCH LEEB in Landau. Sein Fokus liegt dabei auf den Themenschwerpunkten Terminalentwicklung sowie Tools für die Band- und Spotapplikation. Bevor er durch die Bachelorarbeit zu HORSCH kam, absolvierte er ein landwirtschaftliches Studium an der HSWT in Freising und sammelte 2 Jahre lang Erfahrungen im Bereich Sonderkulturen und Saatgutvermehrung auf einem Ackerbaubetrieb.