Der Winter 2025/2026 präsentierte sich vielerorts mit Frost, kalten Temperaturen und umfangreichen Schneefällen. Das könnte zunächst den Eindruck vermitteln, dass ausreichend Niederschlag gefallen ist. Tatsächlich liefert Schnee aber nur einen geringen Wasseranteil: 1 cm Schneehöhe entspricht in etwa 1 mm Niederschlag. Das wird mit Blick auf die Niederschlagsmengen am Standort Schwandorf deutlich.
2022/2023: 130 l/qm 2023/2024: 195 l/qm 2024/2025: 133,6 l/qm 2025/2026: 82,5 l/qm (Stand 15.02.2026) Quelle: WetterKontor, jeweils Dezember bis Februar |
Während der Winter 2023/2024 deutlich feuchter ausfiel, lagen die Winter 2022/2023 und 2024/2025 im mittleren Bereich. Der aktuelle Winter 2025/2026 zeigt hingegen die niedrigsten Niederschlagsmengen der vergangenen Jahre und fällt damit deutlich trockener aus.
Der Dürremonitor unterstreicht diese Tendenz und warnt vor regionalen Bodenwasserdefiziten im Bodenprofil. Schneefälle und die anschließende Schneeschmelze vermitteln dabei ein trügerisches Bild: Oberflächlich erscheint der Boden feucht, tatsächlich ist die Grundfeuchtigkeit und damit die Auffüllung der Bodenwasservorräte vielerorts nur unzureichend.
Um einen Überblick über die Bodenstruktur und -feuchtigkeit zu gewinnen, wurde eine im Herbst am Sitzenhof gesäte Zwischenfrucht betrachtet.
Am 9. Februar war der Boden unter der Schneedecke bis in eine Tiefe von mindestens 10 cm gefroren. Die tiefste gemessene Temperatur in diesem Winter lag bei -14,4 °C (06.01.2026). Insgesamt wurden 52 Frosttage und 9 Eistage verzeichnet.
Als Frosttage bezeichnet man Tage, an denen die Lufttemperatur mindestens einmal unter 0 °C sinkt. Eistage hingegen sind Tage, an denen die Temperatur selbst im Tagesverlauf nicht über den Gefrierpunkt steigt. Diese anhaltende Kälte begünstigt zwar die Bildung einer stabilen Frostgare im Boden, führt jedoch gleichzeitig dazu, dass tiefere Bodenschichten nur langsam wieder auftauen.
Daher gilt es, Vorsicht bei der anstehenden Bearbeitung walten zu lassen: Die Schmelze macht den Boden oberflächlich knetig, dieser ist jedoch noch nicht ausreichend abgetrocknet. Ein voreiliger Bearbeitungsgang könnte Verdichtungen verursachen und die Bodenstruktur langfristig beeinträchtigen.
Für die Frühjahrsbearbeitung bedeutet das, den Boden kontinuierlich zu beobachten und die Bearbeitung erst nach ausreichender Abtrocknung durchzuführen.
Ein Blick auf die Getreidebestände zeigt die Vorteile der Kombination aus Frost und Schnee. Die geschlossene Schneedecke bildete bei Temperaturen zwischen -10 und -15 °C eine isolierende Schicht für Raps und Winterweizen, wodurch auf den ersten Blick keine Schäden erkennbar waren. Die Schneeschicht hielt die Bodentemperatur relativ konstant und milderte starke Temperaturschwankungen ab, was die Pflanzen effektiv schützte. Gleichzeitig fiel der geringe Niederschlag in Form von Schnee, wodurch die isolierende Wirkung der Schneedecke vollständig erhalten blieb.
Mit zunehmend steigenden Temperaturen nach der Tauphase wird das Längenwachstum der Pflanzen initiiert. Folgt dann eine weitere Frostperiode, besteht die Gefahr von Kahlfrösten. Ohne eine schützende Schneedecke können tiefe Minustemperaturen direkt auf Boden und Kultur einwirken und insbesondere bereits weiterentwickelte Bestände schädigen.
Mit Beginn des Streckungswachstums nimmt die Frosthärte der Pflanzen ab, wodurch Spätfröste im Frühjahr Auswinterungsschäden an Raps und Wintergetreide begünstigen können.
Durch die geringen Niederschläge in den Wintermonaten wurden bzw. werden die Bodenwasservorräte voraussichtlich nicht vollständig aufgefüllt. Wird bis zum Vegetationsbeginn keine Niederschlagsmenge erreicht, die mit den Vorjahren vergleichbar ist, startet die neue Wachstumsperiode bereits mit einem Defizit.
Besonders kritisch ist dies auf leichteren Standorten mit geringem Wasserspeichervermögen, da hier Trockenstress früher einsetzt und die Bestandsentwicklung beeinflussen kann.
Für ein durchschnittlich trockenes Jahr fehlen noch rund 50 l/qm Niederschlag – bei der derzeitigen Wetterlage bleibt abzuwarten, ob wir wie im Jahr 2023/2024 mit knapp 195 l in den Frühling starten. Unabhängig davon, wie sich die Wetterlage verändert, gilt es, die Bodenbearbeitungsstrategie individuell auszulegen.