Saatbettbereitung – für eine optimale Einbettung des Saatguts

Wie man ein optimales Saatbett schafft, in dem sich die Wurzeln „wohl fühlen“ und so der Grundstein für eine optimale Wurzelentwicklung und Nährstoffversorgung gelegt wird, wisst Ihr jetzt (Warum wurzeln Pflanzen in die Tiefe? - Eine Frage der optimalen Saatbettbereitung?). Doch nicht nur die Wurzeln müssen sich wohlfühlen, sondern auch das Saatgut hat bei der Aussaat besondere Ansprüche an die Einbettung und somit an das SaatBETT.

Fangen wir wieder von vorne an:

Ein Samenkorn egal von welcher Pflanze - ob Kulturpflanze oder Unkraut - schafft die Basis für die nächste Generation und ist daher Ursprung neuen Lebens. Ähnlich wie im Tierreich sind alle Pflanzen bestrebt, den Fortbestand ihrer Art zu sichern, indem sie Samenkörner produzieren. Anhand dieses Bestrebens zur Sicherung der eigenen Art lassen sich z.B. unterschiedliche Abreifeverhalten ein und derselben Kultur in unterschiedlichen Klimazonen und/oder Wetterextremen erklären. à Hier lässt sich beobachten, dass Pflanzen dazu neigen, Samen zu reduzieren, um zumindest einige keimfähige Körner zu erzeugen und somit den Fortbestand der Art zu sichern.

Geht man nun mit dem Gedanken, dass jedes Saatkorn bestrebt ist, sich zu vermehren und Früchte zu tragen, an die Saatbettbereitung heran, erklärt sich, wer die Qualität des Saatbetts vorgibt. Verglichen mit uns Menschen könnte man sagen: Ich gründe keine Familie und baue kein Haus in Bedingungen, wo es mir nicht gefällt. Deshalb müssen wir optimale Bedingungen für das Saatgut schaffen, um der Pflanze zu einem erfolgreichen Start zu verhelfen. Dazu schauen wir uns zunächst den Prozess der Keimung etwas genauer an.

Keimung

Die Keimung ist mitunter abhängig von der Größe des Mehlkörpers (= Akku) eines Saatguts. Je nachdem wie lange ein Keimling mit diesem Akku haushalten kann, hat er die Chance zu überleben. Je nach Pflanzenart ist der Mehlkörper größer oder kleiner. Deshalb bleiben z.B. manche Samen im Boden nahezu ewig keimfähig und andere kommen schon im nächsten Jahr sehr schlecht hoch (z.B. Weizen im Vergleich zu Ampfer). Solange also die Bedingungen nicht gut genug sind, wird der Keimling seine Keimruhe nicht beenden.

  • Sobald Samen mit Wasser in Kontakt kommen, saugen sie sich voll und quellen auf (Imbibition). Im Zuge der Quellung wir die Energieumlagerung im Korn gestartet.
  • Der eigentliche Keimreiz wird durch Wasser, Temperatur und Nährstoffe ausgelöst. Folglich kommt ein Stoffwechselprozess im Samen in Gang, bei dem die Energie, die in Form von Stärke gelagert ist, in Zucker umgewandelt wird und dem Keimling als Nahrung dient.

Wie lässt sich hier die Brücke zurück zu unserem Saatbett schlagen? Anhand des Keimverhaltens der auszusäenden Kultur wird festgelegt, wie wir das Bett machen sollen, z.B. wird die Tiefe der Ablage definiert.

Ablagetiefe

Die Ablagetiefe ist entscheidend für einen optimalen Start der Körner und folglich auch für gleichmäßige Feldaufgänge und homogene Bestände. Sie ist vor allem von den Ansprüchen des Keimlings abhängig. Vergraben wir z.B. einen Lichtkeimer zu tief, wird dieser nicht zu keimen beginnen. Oder ein Großteil der gekeimten Körner schafft es nicht, den Keimling bis an die Oberfläche zu bringen.

Eine kleine Hilfe für die optimale Ablagetiefe ist hier das Saatkorn selbst. Messen wir den Durchmesser unseres Korns und multiplizieren es mit 10, haben wir in etwa sein Optimum. Hier ein paar Beispiele aus der Praxis:

 

Kommen wir nun von der Ablagetiefe zum Saatbett. Wie im letzten Blogbeitrag erklärt, will unsere Pflanze unser Saatkorn optimal in seinem Bett (Bettlaken und Matratze) einbetten.

Saatbett

Haben wir einen Lichtkeimer, dürfen wir im übertragenen Sinn keine zu große Decke darüberlegen. Für die Saatbettbereitung heißt das: Das Saatbett muss gut rückverfestigt sein und eine feinkrümelige Oberflächenstruktur aufweisen. Kleine, feine Samen würden zwischen groben Kluten zu tief in die Erde hineinfallen.

Möchten wir vor einer wärmeliebenden Kultur das optimale Saatbett bereiten, ist eine abgetrocknete, gut durchlüftete Oberfläche unser Ziel. Nur so kann sich der Boden nach kalten Nächten wieder schnell durch die Sonne erwärmen.

Fazit

Das Ziel jedes Samenkorns ist es, sich zu vermehren. Deshalb müssen wir dem Saatgut zu einem guten Start verhelfen und die für ihn optimalen Keimbedingungen schaffen.

Was lässt sich für die Saatbettbereitung in der Praxis festhalten?

  • Ablagetiefe des Saatguts
    • Messen wir den Durchmesser unseres Korns und multiplizieren es mit 10, haben wir in etwa die optimale Ablagetiefe.
  • Bei z.B. Lichtkeimern
    • Saatbett gut rückverfestigt mit feinkrümeliger Oberflächenstruktur
  • Bei z.B. wärmeliebenden Kulturen
    • Abgetrocknete und gut durchlüftete Oberfläche als Saatbett

Nicht umsonst werden die Einstellungen von Sämaschine und Grubber entsprechend der Kultur angepasst. Neben all diesen Aspekten zur Saatbettbereitung, die nur auf unsere Pflanze zurückzuführen sind, gibt uns aber auch die Umwelt und der Jahresverlauf noch einige Rahmenbedingungen zur optimalen Saatbettbereitung vor.

Deshalb bleibt dran und seid gespannt, was in unserem dritten Teil zum Thema Saatbettbereitung noch kommen wird. Und wo es sinnvoll ist, welche Technik einzusetzen.