Öko und die individuelle Pronto



Ökologischer Landbau ist für moderne Landwirte weniger eine Sache der Ideologie als vielmehr des Könnens. Denn: Wo mineralischer Dünger oder Pflanzenschutzmittel tabu sind, ist der wahre Ackerbauer gefragt.

Der Aussiedlerhof von Pierre und Kerstin Ramnick befindet sich rund 20 Kilometer westlich von Würzburg (Bayern). Hier beträgt die Temperatur im Jahresdurchschnitt neun Grad Celsius, und es fallen 660 Millimeter Niederschlag im Jahr. Der Anbau von Zuckerrüben ist grundsätzlich möglich, wurde auf dem Betrieb Ramnick jedoch wegen des unverhältnismäßig hohen Aufwands – vor allem beim Hacken – aufgegeben. Die Familie bewirtschaftet 292 Hektar. Dazu kommen 23 Hektar, die an einen Kooperationspartner unterverpachtet sind. Dieser baut auf den Flächen Karotten und Speisekartoffeln an. Letztere sowie Druschfrüchte bilden den Schwerpunkt auf den selbst bewirtschafteten Flächen, deren Erzeugung, Aufbereitung und Vermarktung besonderes Augenmerk gilt. Dazu steht eine eigene Lager- und Aufbereitungsanlage zur Verfügung, die eine Lagerkapazität von 1.200 Tonnen hat. Die Kapazitäten für Reinigung und Umschlag stellt Familie Ramnick auch anderen Öko-Betrieben in der Region zur Verfügung. Familie Ramnick hat den Hof im Jahr 2004 auf biologisch-organische Wirtschaftsweise umgestellt.

„Am Anfang meiner Fruchtfolge steht Grünbrache, bestehend aus Kleegras beziehungsweise Ackerland, das aus der Erzeugung genommen wurde,“ erklärt der Betriebsleiter. „Überjährig bis zweijährig ist das ein Flächenanteil von rund 25 Prozent. Anschließend folgt Wintergetreide und Blattfrucht beziehungsweise Sommergetreide im Wechsel über eine Dauer von drei bis fünf Jahren, anschließend wieder Kleegras.“

Konsumgetreide, die Körnerleguminosen und die Ölsonnenblumen werden direkt an die Vermarkter abgegeben. Dies sind Mälzereien, Mühlen, Kraftfutterwerke oder Ölmühlen. Einen Teil vermarktet auch der Anbauverband Bioland, dem Familie Ramnick seit dem Jahr 2005 angehört. Die Lagerung, Aufbereitung und Vermarktung der Kartoffeln erfolgt über den Kooperationspartner, der die Bewirtschaftung der eigenen Kartoffelanbauflächen komplett als Dienstleistung erbringt. Als Hobby hält Pierre Ramnick einige Mutterkühe der Rasse Angus. Da diese den Aufwuchs an Kleegras nur teilweise verwerten können, besteht eine Futter / Mistkooperation mit einem Öko-Mutterkuh-Halter in der Nachbarschaft.

„Ich habe den Betrieb im Jahr 2006 von meinen Eltern übernommen“, sagtPierre Ramnick. Diese haben den Hof, der damals mitten im Ort gelegen war, bis 1980 mit einem Viehbestand von zehn Milchkühen und einer Betriebsfläche von rund 50 Hektar geführt. 1998 wurde im Zuge einer Betriebszweigaussiedlung die Maschinenhalle inklusive des Getreidelagers errichtet. Die Ausrichtung lag auf der Erzeugung von Getreide, Raps und Zuckerrüben. Nach Erweiterung der Reinigungskapazitäten der Getreideaufbereitung 2006 haben wir schließlich im Jahr 2007 unser Wohnhaus direkt am Betrieb gebaut.“

Auf den Ackerflächen der Familie wird schon seit 25 Jahren pfluglos gearbeitet. „Die Stoppelbearbeitung erfolgt bei uns mit einem HORSCH Terrano FX. Die ClipOn-Schare haben eine Breite von 37 Zentimeter, da es mir besonders wichtig ist, dass nicht nur flach gearbeitet sondern auch ganzflächig geschnitten wird. Mit der Pronto (Arbeitsbreite acht Meter) wird anschließend ein Ackerbohnen-Futtererbsen-Wicken-Gemisch als Zwischenfrucht gesät, die dann mit dem Terrano, ausgestattet mit MulchMix-Scharen, eingearbeitet wird. Eventuell wird vorher noch gemulcht beziehungsweise hinterher nochmals gegrubbert. Zur Vorbereitung der Frühjahrsaussaat werden die Flächen Ende Oktober oder je nach Witterung auch auf Frost gegrubbert. Wo Kartoffeln gepflanzt werden sollen, demontiere ich die Flügelschare und nehme eine Tiefenlockerung bis 25 Zentimeter vor,“ sagt der Betriebsleiter.

Pierre Ramnicks Pronto DC ist jedoch nicht serienmäßig. Dazu der Landwirt: „Zuerst habe ich mit der Sechs-Meter-Variante gearbeitet. Vor zwei Jahren habe ich aber den Versuch unternommen, mein Getreide mit einem Reihenabstand von 30 Zentimeter zu säen, um hacken zu können. Mit dem Resultat war ich sehr zufrieden. Aber ich kann nicht überall hacken, weil es zum Beispiel zu steinig oder zu steil ist, und die Umrüstung der Sämaschine erforderte immer etwas Zeit. Gemeinsam mit dem HORSCH-Servicetechniker Jürgen Muschler haben wir hier eine wirklich tolle Lösung gefunden – allerdings für die Acht-Meter-Maschine, die ich daraufhin gekauft habe: Die beiden Verteilertürme für jeweils vier Meter Arbeitsbreite lassen sich getrennt ansteuern. Wir haben die Verschlauchung so geändert, dass ich aus der Kabine heraus per Knopfdruck den Reihenabstand von 15 auf 30 Zentimeter und wieder zurück verändern kann. Für die Unkrautbekämpfung habe ich dann eine Acht-Meter-Hacke von Schmotzer mit Kamerasteuerung.“

Schlagkraft ist also nicht das Problem von Pierre Ramnick. Jedoch die Schlaggröße: Er bewirtschaftet insgesamt 183 Feldstücke mit einer durchschnittlichen Größe von 1,5 Hektar. „Erst hatte ich Bedenken, ob das mit acht Metern Arbeitsbreite funktioniert und habe parallel dazu noch eine kleinere Maschine vorgehalten. Inzwischen arbeite ich aber grundsätzlich nur mit den großen, denn die sind auch auf kleineren Schlägen sehr viel effektiver.