Hilfe zur Selbsthilfe



Über die Aktivitäten zur Unterstützung von Kleinbauern auf Kuba berichtet Wolfgang Nürnberger, Geschäftsführender Gesellschafter der Fachagentur Bodenbearbeitung – Saat – Pflanzenschutz

Es ist eine gute Tradition der Firma HORSCH, am jeweiligen Jahresende

eine Betriebsversammlung abzuhalten, die mit der anschließenden Jahresabschlußfeier für die Mitarbeiter verbunden ist.

Auf einer solchen Betriebsversammlung wurde vor einigen Jahren einmal umfassend über das soziale Engagement von HORSCH, das über die HORSCH Stiftung realisiert wird, informiert.

Insbesondere die Projekte in Nicaragua, wo an Kleinbauern in Gebirgsregionen das Wissen und die praktische Anleitung zum erosionsmindernden Anbau von Nutzpflanzen vermittelt werden, hatten es mir dabei angetan.

Im Rahmen eines Urlaubs habe ich, zusammen mit meiner Frau, 2005 erstmals die Insel Kuba besucht und war von der großen Freundlichkeit und guten Bildung der dortigen Menschen und der fast völlig fehlenden Kriminalität begeistert.

Als langjähriger Angestellter der Firma HORSCH hatte ich bereits in den 90er Jahren das Projekt „Milch für Kubas Kinder“ finanziell unterstützt. In weiteren intensiven Gesprächen mit Traugott Horsch, der viele Jahre in Nicaragua gelebt hat, entstand der Wunsch, solche Aktivitäten auch auf Kuba zu übertragen. Dazu mussten meine Frau und ich zuerst einen Verein finden, der staatlich anerkannt ist und demzufolge entsprechende steuerlich anerkannte Spendenquittungen ausstellen kann.

So haben wir den Berliner Verein „KarEn Verein zur Förderung alternativer Energien in der Karibik e.V.“ kennengelernt, dessen Mitglied wir inzwischen

sind.

Zusammen mit dessen Vorstandsmitglied, Gerda Daenecke, unternahm ich im Februar 2009 meine erste Reise nach Kuba. Wir besuchten mehrere Projekte von KarEn, unter anderem durch die Hurrikans stark beschädigte Landschulheime, die durch den Verein saniert wurden, sowie den Boyeros, einen Stadtteil am Rande von Havanna, wo Projekte der stabilen Wasserversorgung über Brunnen mit Solar- oder Windkraft realisiert werden.

Während einer zweiten Reise kam es zu ersten Gesprächen mit ANAP, der Organisation der privaten Kleinbauern in Kuba. Dort wurde das Projekt „Erosionsmindernder Anbau von Mais, Soja und Bohnen in den gebirgigen Regionen der Mittelprovinzen Cienfuegos, Santa Clara und Sancti Spiritus“ vorgestellt und vereinbart, dass ANAP drei Landwirte aus diesen Regionen nach Nicaragua entsendet, um von den diesbezüglichen Erfahrungen der dortigen Kleinbauern zu lernen. Die Flugkosten im April 2010 trugen wir über eine Spende an KarEn, die Kosten des Aufenthaltes dort übernahm die HORSCH Stiftung. Traugott Horsch übergab den drei kubanischen Landwirten als Geschenk je eine Matraca, einen einfachen Pflanzstock, mit dem über eine Art Direktsaat das Saatgut und mineralischer Dünger gleichzeitig per Hand ausgebracht werden kann.

Im September 2010 besuchten Traugott Horsch und ich zusammen mit Vertretern von ANAP die drei Mittelprovinzen und waren sehr erstaunt, welche Breitenwirkung diese drei Matracas in der kurzen Zeit entfalten konnten. Da die kubanischen Bauern über lose zusammenarbeitende Kooperativen verbunden sind, wurden die Matracas jeweils von mehreren Bauern genutzt. Hier zeigte sich uns zum ersten Mal, welch hohe Bedeutung eine gute Schulbildung für die Entwicklung in der Dritten Welt hat. Die jeweils vielen, versammelten Bauern konnten den sehr engagiert vorgetragenen Erläuterungen von Traugott in spanischer Sprache begeistert folgen, zumal sie begriffen hatten, dass mit der Einführung dieser Technologie eine deutliche Steigerung der Produktivität bei spürbarer körperlicher Entlastung einhergeht.

Wurde bisher von einem Mann mittels einer Hacke ein Loch in den Boden gemacht und dann von einem zweiten Mann ein Maiskorn in das Loch geworfen, das anschließend zugetreten wurde, so ist nun ein Mann ausreichend, um mit besserer Qualität und deutlich höherer Produktivität mehr Fläche pro Tag zu schaffen.

Diese positiven Eindrücke veranlassten uns bei unserer Rückkehr und nach Vorlage eines entsprechenden kubanischen Projektes, einen Container mit 940 Matracas sowie drei von Tieren gezogene, einreihige Sämaschinen in Brasilien zu kaufen und nach Havanna transportieren zu lassen. Wir waren sehr dankbar, dass sich die HORSCH Stiftung mit 50 Prozent über eine Spende an die NGO (Non Government Organisation) KarEn an den Kosten beteiligt hat.

Im März 2011, bei meiner nächsten Reise, konnte ich die Ausgabe der Matracas, die gegen einen symbolischen Preis von 50 kubanischen Pesos (entspricht etwa zwei Euro) an die interessierten Bauern verkauft wurden, persönlich verfolgen.

Ziel dieser ganzen Aktivitäten ist die Steigerung der Produktion der einzelnen Landwirtschaftsbetriebe, um diese in die Lage zu versetzen, durch ihren Fleiß und ihr Können, zu mehr Wohlstand zu kommen. Man kommt aber nicht umhin festzustellen, dass dem gegenwärtig durch die herrschenden politischen Verhältnisse noch enge Grenzen gesetzt sind. Gerne würden wir es sehen, dass die kubanischen Bauern einen höheren Preis für den von uns beabsichtigten Import von 150 Stück tiergebundenen, einreihigen Sämaschinen aus Brasilien bezahlen, um die Bauern herauszufiltern, die wirklich durch eigene Leistung zu höherem Einkommen gelangen wollen. Unser diesbezüglicher Vorschlag, pro Sämaschine einen Pesos-Betrag von umgerechnet zwei Tonnen Mais zu verlangen, wurde bisher noch nicht akzeptiert, so dass das Projekt auf 2013 verschoben werden musste. Im April 2012 fand die nächste Reise statt und es wurden auch die von KarEn angeregten Projekte zur künstlichen Bewässerung mittels Tauchpumpen und Solarpanelen besichtigt. Die anlässlich meines Firmenjubiläums und meines 60. Geburtstages am 9. Mai 2011 gesammelten Spenden in Höhe von fast 20.000 Euro wurden diesen wichtigen Projekten der Eigenversorgung der Kubaner zur Verfügung gestellt.