Erkenntnisse einer Bachelorarbeit - Betreut durch HORSCH und die HOCHSCHULE WEIHENSTEPHAN-TRIESDORF | Fakultät Landwirtschaft
Nach der Getreideernte sind sie überall zu sehen: Stoppelfelder. Auf ihnen verbleibt organische Masse, vor allem Stroh, das nicht nur als nützliches Nebenprodukt – etwa als Rohfaser im Tierfutter oder als Einstreu – dient, sondern auch direkt am Acker eine wichtige Rolle spielt.
Hierbei kommt es aber vor allem auf die richtige Einarbeitung an. Wird die organische Masse gleichmäßig in den Bodenbearbeitungshorizonten verteilt, fördert sie wichtige Prozesse wie z.B.
Ist die Strohverteilung ungleichmäßig, kann das zu eingeschränkter Nährstoffverfügbarkeit, Fäulnis in verdichteten oder feuchten Bodenschichten sowie zu ungleichmäßigem Wachstum der Folgekultur führen. Zudem erhöht sich das Risiko von Krankheiten und die Aussaattechnik kann beeinträchtigen werden – etwa durch Verstopfungen oder eine ungleichmäßige Ablage des Saatguts.
Die Frage ist also: Wie lässt sich die Qualität der Stroheinarbeitung sichtbar und objektiv beurteilen und gibt es Unterschiede zwischen Scheiben- und Zinkengeräten?
Um genau das zu untersuchen, wurde in einem Feldversuch, der im Rahmen einer Bachelorarbeit angelegt wurde, die Stroheinarbeitung von zwei gängigen Bodenbearbeitungsgeräten für den Stoppelsturz verglichen:
Flachgrubber Cruiser
Durch die lange, mehrbalkige Bauweise (4- bis 6-balkig) und den engen Strichabstand der Zinken erfasst der Grubber das Stroh auf der gesamten Arbeitsbreite und verteilt es über die Fläche.
Kurzscheibenegge Joker
Durch die paarweise Anordnung der Scheiben können mit der Kurzscheibenegge auch große Mengen an organischer Masse eingearbeitet werden.
Im Versuch kam der Cruiser 7 XL mit 8 cm breiten Zinkenscharen und die Joker 6 RT mit gezahnten Scheiben (52 cm Durchmesser) zum Einsatz. Für die Vergleichbarkeit der Arbeitsergebnisse wurde bei der Kurzscheibenegge die Messerwalze ausgehoben.
Der Feldversuch wurde auf einem gedroschenen Roggenfeld durchgeführt. Aufgrund des langen Strohs wurde vorab auf etwa 5 cm Höhe gemulcht und die organische Masse auf rund 10 cm Länge zerkleinert.
Anschließend wurden die Versuchsbahnen mit beiden Maschinen jeweils zweimal bearbeitet – einmal flach mit einer Arbeitstiefe von 7 cm und einmal tief mit 15 cm. Alle Arbeitsgänge erfolgten bei einer Geschwindigkeit von 12 km/h.
Traditionell erfolgt die Beurteilung der Strohverteilung nach der sogenannten Voßhenrich-Methode: Dabei wird eine Profilwand freigelegt, ein Gitterraster darübergelegt und jede Zelle nach sechs Stufen (0 bis 100 % Bedeckung) geschätzt. Diese Methode ist zwar etabliert, aber stark von der Erfahrung der auswertenden Person abhängig – und sehr arbeitsintensiv.
Eine moderne Alternative bietet die KI-basierte Auswertung: Eine Kamera filmt während des Pflügens das Bodenprofil und ein trainiertes neuronales Netzwerk erkennt das Stroh auf den Bildern pixelgenau. So liefert die KI schnelle und objektive Ergebnisse direkt am Feld.
Der Vergleich zwischen visueller Bonitur und KI-gestützter Auswertung zeigt nur geringe Unterschiede: Beide Methoden liefern nahezu identische Verläufe und machen die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Bodenbearbeitungsgeräte klar sichtbar.
Joker: Schneidet das Erdreich und mischt das Stroh vor allem in die mittlere Bodenschicht (5-10 cm) ein, wo etwa 40 % Bedeckung gemessen werden. In den oberen 0-5 cm und unteren 10-15 cm Schichten liegt der Anteil jeweils knapp über 20 %.
Cruiser: Lässt den Großteil des Strohs im oberen Arbeitshorizont von 0-5 cm zurück (über 50 % Bedeckung). Zwischen 5 und 10 cm liegt der Bedeckungsgrad bei etwa 30 %, in der unteren Schicht bei 20 %.
Beim Stoppelsturz haben sowohl Grubber als auch Scheibenegge Einfluss auf die Strohverteilung in der Tiefe. Die unterschiedliche Arbeitsweise der beiden Geräte hinterlässt dabei die spezifischen „Fingerabdrücke“ im Bodenprofil:
Während der Cruiser (Zinkengerät) das Stroh vor allem in den obersten 5 cm einarbeitet, sorgt die Joker (Scheibenegge) für eine intensive Durchmischung der organischen Masse insbesondere im mittleren Bereich zwischen 5 und 10 cm Tiefe.
Für die Praxis lässt sich daraus ableiten: Scheibeneggen sind vor allem dann geeignet, wenn das Stroh intensiv in die Tiefe eingemischt werden soll, während Zinkengeräte besonders dann geeignet sind, wenn eine gleichmäßige Verteilung der Ernterückstände an der Oberfläche angestrebt wird.
| Cruiser 7 XL | Joker 6 RT |
Aufbau |
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Werkzeuge | Schare
| Scheiben
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Arbeitstiefe | Max. 15 cm | Max. 15 cm |
Mischwirkung | Gleichmäßige Verteilung in den oberen 5 cm | Intensive Einmischung in der Tiefe |
Grundsätzliche Einsatzzwecke | Flache bis mitteltiefe Bodenbearbeitung im Stoppelumbruch und in der Saatbettbereitung. | Für eine flache und schnelle Einarbeitung (Stroh, organische Dünger, Zwischenfrüchte)
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Zusatzwerkzeuge |
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Besonderheiten | Konturanpassung
| SoftRide System
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