Der HORSCH Demogarten

Der Demogarten liegt auf dem Gelände von Gut Sitzenhof in unmittelbarer Nähe zum FITZentrum und dem Werksgelände der HORSCH Maschinen GmbH und beinhaltet sowohl Schauversuche als auch spezielle Versuche zu unterschiedlichsten Fragestellungen. Die Versuchsflächen wurden im Jahr 1997 angelegt und dienen seither zum Erfahrungsaustausch mit Landwirten und zur Bearbeitung ackerbaulicher Fragen. Die Gesamtfläche des Demogartens beträgt 20 ha. Die Fläche ist in 13,5 ha Vorführfläche und insgesamt 6,5 ha Versuchsparzellenfläche aufgeteilt. Dieser sehr großzügig angelegte Versuchsgarten ermöglicht die Anlage von bis zu 300 Parzellen (3 m Breite, 50 m Länge).

Im vorderen Bereich befindet sich ein Langzeitversuch zum Thema Bodenbearbeitungsintensität. Dieser Versuch läuft seit der Erstanlage des Demogartens und deckt die Bereiche von intensiver Bodenbearbeitung mit Pflug oder tief gegrubbert über die Minimalbodenbearbeitung bis hin zur Direktsaat ab.

Die restlichen Parzellenflächen werden für diverse Fragestellungen hinsichtlich Bodenbearbeitung und Aussaat genutzt.

Boden
Das Ausgangsgestein am Standort Sitzenhof bildet der Muschelkalk, welcher sich aus fossilen kalkhaltigen Ablagerungen vor etwa 243 bis 235 MillionenJahren gebildet hat. Den Bodentyp bildet die Braunerde, die durch eine Verbraunung und gleichzeitige Humusanreicherung des Oberbodens im humiden Klimaraum entstanden ist.Die Bodenart ist sandiger Lehm mit Tongehalten bis 25 % Ton.

Besonderheiten des Standorts sind die wechselnden Bodenbedingungen mit schwankenden Ackerzahlen zwischen 28 und 42 Bodenpunkten und der stellenweise hohe Steinanteil.

In der Region ist der traditionelle Ackerbau mit Marktfrüchten sowie die Viehhaltung vorrangig vorhanden. Die landwirtschaftlichen Flächen in der Region und am Standort Sitzenhof werden zum Anbau von Getreide und Raps mit traditioneller Vermarktung, dem Anbau von Getreide, Körnermais und Silomais für die Veredlung in der Viehhaltung und Energiegewinnung in Biogasanlagen genutzt.

Klima
Der Demogarten liegt in der warmgemäßigten Regenklimazone der mittleren Breiten, im Übergangsbereich des maritimen Klima Westeuropas zum kontinentalen Klima Osteuropas mit einer leichten Tendenz zur kontinentalen Ausprägung, die sich durch kältere Winter und heißere Sommer mit geringerer Luftfeuchte auszeichnet.

Diese Tendenz wird durch die Jahresmitteltemperatur von 7,5°C belegt, welche 0,9°C unter dem deutschen Jahresmittel liegt.

Mit einer mittleren Jahresniederschlagsmenge im Beobachtungszeitraum von etwa 670 Litern pro Jahr liegt das Gut Sitzenhof etwas unter dem bundesweiten Jahresmittel. Die Jahre 1997 bis 2005 waren in den Niederschlagsmengen sehr unterschiedlich. In den letzten 5 Jahren hat sich der Niederschlag deutlich über 700 Liter pro Jahr und Quadratmeter eingependelt.

Langzeitversuch
Der im Jahre 1997 angelegte Dauerversuch „Bodenbearbeitungsintensität“ dient in erster Linie der Beobachtung von Jahreseffekten auf die unterschiedlichen Bodenbearbeitungstypen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse dienen zur Beurteilung von verschiedenen Ausgangssituationen für die Bodenbearbeitung.

Zusammenfassend kann aus den Versuchsergebnissen folgende Aussagen getroffen werden:

  1. Die Bodenbearbeitungsintensität ist von mehreren Faktoren abhängig. Die Hauptfaktoren bilden die Kulturart, der Bodenzustand vor der Bearbeitung (Verdichtungen, Spuren) und der Feuchtigkeitszustand zum Bearbeitungstermin.
  2. Die Tendenz aus den gewonnenen Ergebnissen geht eindeutig dahin, dass eine tiefe Lockerung in vielen Jahren Ertragsvorteile bringt.
  3. Die maximale Lockerungstiefe orientiert sich an der Mächtigkeit der Krume (konkret am Standort Sitzenhof maximal bis 20 cm Tiefe, darauf folgt der Übergang zum Unterboden); auf tiefgründigeren Standorten kann eine Lockerung bis 35-40 cm durchaus Sinn machen; auf flachgründigen, steinigen Standorten ist oft die maximale Lockerungstiefe auf 10 bis 15 cm begrenzt.
  4. Lockerungstiefe kann nicht pauschal gesehen werden, sondern muss speziell für jeden Standort, jede Kultur und den Feuchtezustand des Bodens angepasst werden.
  5. Grundsätzlich bringt ein gewisses Maß an Bodenbearbeitung Sicherheit für einenguten Ertrag. Die Direktsaat bringt v.a. im Winterraps auf dem Standort Sitzenhof Mindererträge mit sich.
  6. Einsparpotentiale in der Bodenbearbeitung beginnen mit der konsequenten Vermeidung von Verdichtungen und Spuren.
  7. Unterfußdüngung fördert die jungen Bestände in schwierigen Jahren deutlich im Vergleich zur breitflächigen Düngung und kann so z.B. in einer Herbstaussaat 2010 unter den extrem nassen Bedingungen im Winterraps deutliche Vorteile in der Bestandesentwicklung bringen.

Die Intensität der Bodenbearbeitung ist auch aus ökonomischer Sicht eine wichtige Stellschraube für die Optimierung der Stückkosten. Allerdings bleiben auch unter dieser Betrachtungsweise nur dauerhaft hohe Erträge der Garant für ein gutes Betriebsergebnis.

Die Erfahrungen im Bereich Bodenbearbeitung am Standort Sitzenhof werden seit 2003 durch einen extrem schweren Standort in Tschechien (östlich von Prag) ergänzt. Dieser zweite Standort wurde im Rahmen der Praxistage 2011 intensiv vorgestellt und die dort gewonnenen Erkenntnis diskutiert.